DIN EN 12810 — die Norm für Fassadengerüste aus vorgefertigten Bauteilen
Die DIN EN 12810 ist die europäische Norm für Fassadengerüste aus vorgefertigten Bauteilen. Sie regelt die Anforderungen an die festen, stationären Arbeitsgerüste, die typischerweise von Fassadenarbeitern, Stuckateuren, Putzern und Maurern eingesetzt werden. Anders als die DIN EN 1004-1 für fahrbare Rollgerüste deckt die DIN EN 12810 nur stationäre Konstruktionen ab — sie kann nicht verschoben werden, sondern wird am Baukörper aufgebaut, verankert und nach Abschluss der Arbeiten wieder demontiert.
Was regelt die DIN EN 12810?
Die Norm definiert Bauteile, Lastklassen, Standsicherheit und Prüfanforderungen für Fassadengerüste aus Systemkomponenten. Sie wird ergänzt durch die DIN EN 12811-1 (Allgemeine Konstruktionsanforderungen) und die DIN EN 12811-2 (Informationen über Werkstoffe).
Anwendungsbereiche:
- Fassaden-Sanierung und -Putzarbeiten
- Außen-Maler-Arbeiten an Mehrfamilienhäusern
- Maurerarbeiten und Stuck-Anbringung
- Industrie-Wand-Arbeiten und Hallen-Außenwartung
- Fassaden-Reinigung und Energetik-Sanierung
Die DIN EN 12810 wird in zwei Teile gegliedert: Teil 1 (Bauteile und Konstruktion) und Teil 2 (Statisch-Konstruktive Anforderungen). Die meisten Hersteller-Systeme (Layher, Plettac, RUX, Hünnebeck) sind nach beiden Teilen zertifiziert.
Lastklassen nach DIN EN 12810/12811-1
Wie die DIN EN 1004-1 nutzt auch die DIN EN 12810 die Lastklassen 1 bis 6:
| Klasse | Flächenlast | Konzentrierte Last | typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| 1 | 0,75 kN/m² | 1,50 kN | Inspektion, Kontrolle |
| 2 | 1,50 kN/m² | 1,50 kN | Maler-, Putzarbeiten |
| 3 | 2,00 kN/m² | 1,50 kN | Stuckarbeiten, leichte Maurerarbeiten |
| 4 | 3,00 kN/m² | 3,00 kN | Maurerarbeiten, mittlere Verputzarbeiten |
| 5 | 4,50 kN/m² | 3,00 kN | schwere Maurerarbeiten, Betonarbeiten |
| 6 | 6,00 kN/m² | 3,00 kN | schwere Maurerarbeiten mit großer Material-Lagerung |
Während bei Rollgerüsten nach DIN EN 1004-1 Klasse 3 die höchste praktische Klasse ist, kommen bei Fassadengerüsten die Klassen 4 bis 6 regelmäßig zum Einsatz — der stationäre Aufbau erlaubt deutlich höhere Belastungen.
Abgrenzung: Fassadengerüst vs. Rollgerüst
Wer ein Gerüst plant, steht vor der Grundsatzentscheidung zwischen den beiden Norm-Welten. Die wichtigsten Unterschiede:
| Merkmal | Rollgerüst (DIN EN 1004-1) | Fassadengerüst (DIN EN 12810) |
|---|---|---|
| Mobilität | fahrbar auf Rollen | stationär, am Baukörper verankert |
| Höchstklasse | Klasse 3 (2,00 kN/m²) | Klasse 6 (6,00 kN/m²) |
| Standhöhe innen | bis 12 m frei stehend | unbegrenzt mit Verankerung |
| Standhöhe außen | bis 8 m frei stehend | unbegrenzt mit Verankerung |
| Aufbauzeit | 1–2 Stunden | typischerweise 1–3 Tage |
| Anwendung | Innenausbau, Wartung, mobile Punkte | Fassade, Außenwände, Putz, Maurerarbeit |
| Aufbauer | unterwiesene Person (Aufbau- und Verwendungsanleitung) | sachkundige Gerüstbau-Firma |
| Sortimentsbeispiele | Altrex RS TOWER, KRAUSE STABILO, MUNK Günzburger | Layher Allround, Plettac Perfect, RUX Variant |
Wer beim Aufbau unsicher ist, sollte die Entscheidung über die Material-Menge und Arbeitsdauer treffen: alles, was über 2 Wochen läuft und Material-intensiv ist (Putz, Maurer, Stuck), gehört auf ein Fassadengerüst. Für kürzere Wartungs- und Maler-Arbeiten ist das Rollgerüst die effizientere Lösung.
Konstruktive Anforderungen
Die DIN EN 12810 schreibt für Fassadengerüste konkrete bauliche Maße vor:
- Plattform-Breite: mindestens 60 cm, in der Praxis 73–105 cm
- Plattform-Länge: typische Felder 2,50–3,00 m
- Seitenschutz dreiteilig: Geländer, Zwischenholm, Bordbrett — wie bei DIN EN 1004-1
- Verankerung: mindestens alle 4 m horizontal und alle 4 m vertikal am Baukörper
- Lastverteilende Fußplatten: Pflicht bei weichem Untergrund
- Aufstieg: über Innen-Treppen oder Innen-Leitern, niemals außen am Rahmen
FAQ
Brauche ich für meine Hausfassade ein Fassadengerüst nach DIN EN 12810?
Bei Putz-, Stuck-, Maurer- oder mehrwöchigen Maler-Arbeiten an Mehrfamilienhäusern ja. Für eine einmalige Außen-Anstrich-Aktion am eigenen Einfamilienhaus reicht oft ein Rollgerüst nach DIN EN 1004-1.
Darf ich ein Fassadengerüst selbst aufbauen?
Theoretisch ja, wenn Sie als unterwiesene Person die Aufbau- und Verwendungsanleitung beachten. Praktisch ist der Aufbau jedoch deutlich anspruchsvoller — die meisten Hausbesitzer beauftragen eine Gerüstbau-Firma.
Wie teuer ist die Miete eines Fassadengerüsts?
Der typische Preis liegt bei 6–12 € pro m² Gerüstfläche und Monat (inkl. Auf- und Abbau durch Fachfirma). Bei großen Fassaden über 200 m² wird der Preis verhandelt.
Was ist der Unterschied zur DIN EN 12811-1?
DIN EN 12810 deckt Fassadengerüste aus vorgefertigten System-Komponenten. DIN EN 12811-1 ergänzt sie um allgemeine konstruktive Anforderungen, die auch für andere temporäre Konstruktionen gelten (Sondergerüste, Schutzgerüste).
Wird die DIN EN 12810 von der BG-Bau gefördert?
Über die Arbeitsschutzprämien werden Fassadengerüste mit modular vorlaufendem Geländer und sicherheits-optimiertem Aufstieg bezuschusst — Konditionen siehe BG-Bau-Förderkatalog 2026.
Siehe auch
- DIN EN 1004-1 — Rollgerüste
- DIN EN 13374 — Dachrandsicherung
- TRBS 2121-1 — Betriebssicherheit Gerüste
- DGUV 201-011 — Praxis-Anleitung Arbeitsgerüste
- Lastklasse
- Fassadengerüste im Sortiment


