Aufbauanleitung · 10 Schritte · DIN EN 1004-1 · TRBS 2121-1
Rollgerüst aufbauen: So geht’s richtig – Schritt für Schritt
Ein Rollgerüst sicher aufzubauen ist kein Mysterium — aber Sorgfalt und Norm-Compliance sind Pflicht. Maßgeblich ist die Aufbau- und Verwendungs-Anleitung (AuV) Ihres Herstellers. Wir ergänzen sie mit den 10 Schritten, die in der Praxis am häufigsten falsch gemacht werden.
DIN EN 1004-1
Norm-konform
Ein Rollgerüst aufzubauen ist kein Mysterium — aber Sorgfalt und Norm-Compliance sind Pflicht. Maßgeblich ist immer die Aufbau- und Verwendungs-Anleitung (AuV) Ihres Herstellers. Dieser Leitfaden ergänzt die AuV mit den 10 Schritten, die in der Praxis am häufigsten falsch gemacht werden — und mit den präzisen Norm-Vorgaben nach DIN EN 1004-1 (2021) + TRBS 2121-1.
Bevor Sie anfangen: Lesen Sie diese Anleitung und vor allem die Hersteller-AuV einmal komplett durch. Im Zweifelsfall: Hersteller anrufen oder den Aufbau von erfahrenen Kollegen begleiten lassen.
⚠ Lebenswichtige Sicherheits-Grundregel
Der Aufstieg erfolgt IMMER von der Innenseite des Gerüsts — niemals außen am Rahmen hoch- oder herunterklettern. Das ist die häufigste Unfallursache bei Rollgerüst-Stürzen laut BG-Bau-Statistik. Standard-Aufstieg ist über die Rahmen-Sprossen (Innenseite); nicht jedes Gerüst hat eine separate integrierte Leiter oder Treppe. Außen-Klettern bedeutet Lebensgefahr und ist nach DIN EN 1004-1 sowie TRBS 2121-1 ausdrücklich untersagt.
Vor dem Aufbau: Material und Umgebung checken
- Alle Teile vorhanden? Rahmen, Plattformen, Geländer, Bordbretter, Ausleger / Stabilisatoren, Diagonalen, vario-fix-Bolzen oder Safe-Quick-Verbinder, Lenkrollen mit Feststellbremse?
- Sichtbare Beschädigungen, Risse oder Verschleißspuren an Aluminium-Profilen oder Plattformen?
- Rollen drehen sauber, Bremsen-Mechanik einrastend?
- Bolzen, Stifte und Sicherungs-Federn vollständig?
- Hersteller-AuV griffbereit (gesetzliche Pflicht bei jeder Aufstellung)?
- Sicherheitsschuhe S3, Helm bei Aufbau höher 4 m?
- Genug freie Fläche für Standfläche + Ausleger (typisch 3 × 3 m bei Plattform-Höhe bis 4 m, mehr bei höheren Aufbauten)?
- Untergrund eben und tragfähig — punktuelle Last pro Lenkrolle bis 5 kN (≈ 500 kg), bei weichem Untergrund Lastverteilungs-Platten unterlegen?
- Wind-Check: bei Aufbau-Beginn Windgeschwindigkeit unter 8 m/s (Beaufort 5), während des Aufbaus unter 12 m/s (Beaufort 6, ≈ 50 km/h)?
Wenn einer dieser Punkte nicht erfüllt ist — erst das Problem lösen, dann aufbauen.
Schritt 1: Untergrund prüfen und Grundrahmen aufstellen
Der Boden entscheidet über die Sicherheit des gesamten Aufbaus. Rasen, Sand, lockerer Schotter, schräger Boden — vergessen Sie es. Sie brauchen einen ebenen, festen Untergrund. Bei weichem oder unebenem Untergrund: Lastverteilungs-Platten oder Balken verwenden. Mit Wasserwaage prüfen, ob die Standfläche wirklich eben ist — das dauert zwei Minuten und kann einen Sturz verhindern.
Anschließend den Grundrahmen aus Roll- oder Fahrwerk-Rahmen + Lenkrollen + ersten Klapprahmen-Aufbau zusammenfügen. Systematisch arbeiten, Bolzen handfest einrasten lassen — bei modernen Profi-Gerüsten (vario-fix, Safe-Quick) klicken die Verbinder federgespannt ein, keine Schrauben.
Häufigster Fehler überhaupt: Gerüste auf unebenem Boden aufbauen — Hauptursache für Stürze laut BG-Bau-Statistik.
Schritt 2: Lenkrollen und Bremsen montieren
Lenkrollen an die vorgesehenen Aufnahmen, alle vier auf gleicher Höhe. Jede Rolle einmal mit der Hand drehen — muss leicht und gleichmäßig laufen. Sicherungsstifte und Federverschlüsse korrekt einrasten.
Wichtig zu den Bremsen: Nach DIN EN 1004-1 muss das Rollgerüst über mindestens zwei diagonal angeordnete Feststellbremsen verfügen, in der Praxis-Empfehlung der Hersteller sind alle vier Lenkrollen mit Bremse. Beim Arbeiten oben werden ALLE Bremsen festgesetzt — kein Verhandlungsspielraum.
Schritt 3: Vertikale Rahmen aufstellen
Die Klapprahmen und Standrahmen tragen das gesamte Gewicht und übertragen die Last auf die Lenkrollen. Wasserwaage anlegen und prüfen, dass alle vier Ecken senkrecht stehen und auf gleicher Höhe sind.
Ein schiefer Rahmen — und wir reden von nur 5 Zentimetern Abweichung — kann die statische Stabilität erheblich reduzieren. Das ist kein theoretisches Risiko, das passiert in der Praxis.
Schritt 4: Diagonalstreben anbringen (Aussteifung)
Wichtige Klarstellung: Diagonalstreben (Diagonalen) dienen zur Aussteifung des Gerüst-Rahmens — sie verhindern die Verformung des Rechteck-Aufbaus zum Parallelogramm und übertragen Längs-Kräfte ins Fahrwerk. Diagonalen sind nicht das Mittel gegen Umkippen — dafür gibt es Ausleger und Stabilisatoren (siehe nächster Schritt).
Diagonalen werden in der Aufbau- und Verwendungs-Anleitung an präzisen Stellen vorgeschrieben — bei modernen Profi-Rollgerüsten oft versetzt auf jedem zweiten Stock. Jeder Hersteller hat ein eigenes System (Altrex, MUNK SG, KRAUSE STABILO, Hymer, Albert), daher zwingend in die AuV schauen.
Schritt 5: Ausleger / Stabilisatoren montieren (Kipp-Schutz)
Ausleger (auch Stabilisatoren oder Outrigger genannt) vergrößern die effektive Standfläche und sichern das Rollgerüst gegen Umkippen. Sie sind das Hauptmittel gegen seitlichen Sturz.
Wann sind Ausleger Pflicht (nach DIN EN 1004-1)?
- Innen-Einsatz: ab Plattform-Höhe 4,0 m
- Außen-Einsatz: ab Plattform-Höhe 2,0 m
- Bei schmalen 0,75-m-Rollgerüsten oft schon ab 2,5 m
Maßgeblich ist immer die AuV des konkreten Modells. Ausleger werden diagonal in die unteren Klapprahmen eingehängt oder verschraubt, die Stützfüße müssen auf festem Boden aufliegen (gegebenenfalls Platten unterlegen).
Ballast ist die Alternative oder Ergänzung: Säcke mit Sand, Stein-Ballast oder Wasser-Ballast in den unteren Plattform-Ebenen. Praxis-Regel: Außen-Einsatz braucht immer mehr Ballast als Innen-Einsatz; die exakten Ballast-Werte je Modell stehen in der jeweiligen Hersteller-AuV (z. B. Altrex BuV-PDF, MUNK SG-Tabellen).
Schritt 6: Arbeitsplattformen einsetzen
Plattformen vollständig auflegen, nicht nur an den Kanten. Mit Sicherungsstiften, Bolzen oder integrierten Federbolzen gegen Verrutschen sichern. Plattformen mit Längsklappe in den ausgewiesenen Aufstiegs-Bereichen einsetzen.
Bei höheren Gerüsten (Plattform-Höhe über 4 m): Zwischenplattformen alle 2 m versetzt einplanen. Diese dienen sowohl der Last-Verteilung als auch dem reduzierten Absturz-Risiko bei Innenleiter-Aufstieg.
Eine nicht gesicherte Plattform kann beim Betreten wegrutschen — Sicherung ist keine Option, sondern Pflicht.
Schritt 7: Schutzgeländer und Bordbretter montieren
Gesetzliche Pflicht nach DIN EN 1004-1 auf allen offenen Plattform-Seiten:
- Hauptgeländer auf Höhe 1,00 m über der Plattform (Mindest-Maß)
- Knieleiste (Zwischenholm) auf Höhe 0,50 m
- Bordbrett mindestens 0,15 m hoch (Schutz gegen herabfallende Werkzeuge)
Profi-Modelle mit vorlaufendem Geländer (Altrex Safe-Quick, MUNK FlexxTower SGX ergo, STR-Eigenmarke Smart-Art) bauen das Geländer bereits beim Aufstieg in die nächste Ebene mit auf — diese Modelle sind BG-Bau-förderfähig.
Hinweis: Mi TOWER und Mi TOWER PLUS bauen mit Strebensystem, nicht mit Safe-Quick — bei diesen Modellen Aufbau gemäß spezieller AuV.
Schritt 8: Aufstieg von der Innenseite installieren — niemals außen klettern
⚠ Pflicht-Regel ohne Ausnahme: Der Aufstieg auf jede Plattform erfolgt ausschließlich von der Innenseite des Gerüsts. Außen am Rahmen hoch- oder herunterzuklettern ist nach DIN EN 1004-1 + TRBS 2121-1 ausdrücklich untersagt und Hauptursache für tödliche Stürze laut BG-Bau-Unfallstatistik.
Drei Aufstiegs-Varianten — alle von innen:
- Aufstieg über die Rahmen-Sprossen (Innenseite) — Standard. Die meisten Profi-Rollgerüste werden über die Sprossen des Klapprahmens bestiegen, von der Innenseite des Gerüsts. Sprossenabstand normgerecht max. 0,30 m, Tritte rutschsicher.
- Separate Innen-Leiter bei größeren Modellen (z. B. Altrex RS Tower 51-S, manche Hymer-/Albert-Varianten) — fest in die Innen-Sektion eingehängt.
- Schräg-Aufstieg oder Treppen-Modul bei XL-Varianten (RS Tower 53, KRAUSE STABILO Treppen, MUNK SG-Treppen, Albert Treppengerüste 7700) — Steigungswinkel 45–60°, Plattform-Übergang mit Aufstiegs-Klappe, Geländer durchgehend 1,00 m.
Egal welche Variante: Aufstieg, Stand auf der Plattform und Abstieg passieren immer auf der Innenseite. Aufstiegs-Sprossen müssen rutschsicher sein, die Plattform-Klappe muss sich beim Hochsteigen öffnen und nach Erreichen der Plattform wieder schließen.
Schritt 9: Aufbau testen — Stabilität, Bremsen, Verbinder
Aufbau-Test bei zugehängten Plattformen und vor erstem Betreten:
- Leicht gegen alle vier Seiten drücken — kein Wackeln, kein Kippeln
- Kontrolle aller Diagonalen + Ausleger auf festen Sitz
- Ein Stück hin- und herfahren, dann alle Bremsen festsetzen
- Mit ordentlich Kraft gegen das Gerüst drücken — keine Bewegung darf entstehen
- Beim Test einer von unten beobachten lassen, ob Bauteile nachgeben
Klare Regel: Solange jemand oben auf der Plattform steht, fährt das Gerüst nicht. Alle Bremsen sind festgesetzt. Vor jedem Versetzen Plattform räumen.
Schritt 10: Abschlusskontrolle und Dokumentation
Vollständige Kontrolle:
- Standfläche eben + tragfähig?
- Rahmen senkrecht?
- Diagonalen und Ausleger vollständig montiert?
- Geländer + Knieleiste + Bordbrett auf allen offenen Seiten?
- Plattformen gesichert?
- Bremsen funktionsfähig?
- Tragfähigkeit (Lastklasse 1–3 je nach Modell) für die geplante Nutzung ausreichend?
- Alle Mitarbeiter eingewiesen (Unterweisung nach DGUV 201-011)?
Foto der Aufbau-Konfiguration für die Sachkundigen-Prüfung (jährlich oder nach jeder Umsetzung Pflicht) und als Referenz beim nächsten Aufbau.
Die 7 häufigsten Aufbau- und Nutzungs-Fehler
- Außen am Rahmen hoch- oder herunterklettern (Lebensgefahr): Aufstieg IMMER von der Innenseite — über die Rahmen-Sprossen (Standard), die Innen-Leiter, den Schräg-Aufstieg oder das Treppen-Modul. Außen-Klettern ist Hauptursache für tödliche Gerüst-Unfälle und nach DIN EN 1004-1 + TRBS 2121-1 untersagt
- Unebener Untergrund: Boden immer prüfen, bei Bedarf mit Lastverteilungs-Platten ausgleichen
- Verbinder nicht eingerastet: Alle Bolzen / Safe-Quick / vario-fix-Verbinder bis zum hörbaren Klick einrasten lassen
- Geländer unvollständig: Auf allen offenen Seiten Hauptholm + Knieleiste + Bordbrett — DIN EN 1004-1
- Ausleger vergessen: Ab Plattform-Höhe 4 m innen / 2 m außen Pflicht — gegen Umkippen
- Diagonalen vergessen: Aussteifung des Rahmens — verhindern Parallelogramm-Verformung
- Bremsen nicht kontrolliert: Vor jeder Arbeit alle Bremsen aktivieren und gegen-prüfen
Tägliche Checkliste während der Arbeit
Auch nach dem ersten Aufbau: Jeden Tag vor Arbeitsbeginn kurz prüfen.
- Alle Bremsen aktiviert?
- Geländer intakt, Knieleiste + Bordbrett auf Platz?
- Plattform nicht überladen (max. Last laut Lastklasse: Klasse 2 = 150 kg/m², Klasse 3 = 200 kg/m² Maximum bei Rollgerüst)?
- Keine losen Werkzeuge auf der Plattform?
- Aufstieg immer von der Innenseite (über Rahmen-Sprossen, Innen-Leiter oder Schräg-Aufstieg) — niemals außen hoch- oder runterklettern?
- Wind-Check: bei Windgeschwindigkeit über 12 m/s (Beaufort 6) Arbeit einstellen, Gerüst sichern oder demontieren
Das dauert 5 Minuten und gehört genauso selbstverständlich zur Arbeitsvorbereitung wie der Griff zum Helm.
Norm- und Förder-Hinweise
- DIN EN 1004-1 (2021): Mobile Arbeitsbühnen aus vorgefertigten Bauteilen — die maßgebliche Norm für Roll- und Fahrgerüste
- TRBS 2121-1: Technische Regeln Betriebssicherheit — Verwendung mobiler Arbeitsgerüste
- DGUV-Information 201-011: Handlungsanleitung Gerüstbau — Aufbau, Umbau, Abbau nur durch unterwiesene Personen, jährliche Sachkundigen-Prüfung
- BG-Bau-Arbeitsschutzprämien: Klappgerüste und Rollgerüste mit vorlaufendem Geländer (Safe-Quick / Smart-Art / GuardMatic) bis zu 50 % Zuschuss, max. 10.000 €/Jahr
Fazit
Aufbau eines Rollgerüsts ist kein Mysterium — aber er verdient Ihre volle Aufmerksamkeit und Compliance mit der Hersteller-AuV. Diese 10 Schritte stellen sicher, dass Ihr Rollgerüst sicher steht und zuverlässig funktioniert.
Die drei wichtigsten Praxis-Regeln, die wir in der Beratung immer wieder klären:
- Aufstieg IMMER von der Innenseite — über die Rahmen-Sprossen (Standard bei den meisten Gerüsten), die separate Innen-Leiter oder das Schräg-/Treppen-Modul. Niemals außen am Rahmen klettern (Lebensgefahr, DGUV-Pflicht)
- Diagonalen = Aussteifung des Rahmens (gegen Parallelogramm-Verformung)
- Ausleger / Stabilisatoren = Kipp-Schutz (vergrößern Standfläche)
Im Zweifelsfall lieber einmal zu viel kontrollieren als zu wenig — und immer die Hersteller-AuV als verbindliche Referenz.
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